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Roblox im Klassenzimmer: Ratschläge von Lehrer:innen


Ersteller

Wir hören immer mehr von Lehrer:innen, die Plattformen wie Roblox verwenden, um ihre Schüler:innen außerhalb ihrer sich täglich wiederholenden Videokonferenzen einzuspannen. Relativ am Anfang der Pandemie brachte das Bildungsteam von Roblox eine Ressource für den Fernunterricht heraus, um Pädagog:innen mit kostenlosen Lehrplänen zu unterstützen. Der Inhalt wurde dafür konzipiert, Schüler:innen dabei zu helfen, ihre eigenen 3D-Erlebnisse zu erstellen und ihnen beizubringen, wie man auf sichere und höfliche Weise zusammen spielt und lernt.

Obwohl einige Pädagog:innen mit ihren eigenen Unterrichtsideen und Spielsessions experimentieren, sprachen wir mit zwei Menschen, die erfolgreich unsere Bildungsressourcen* benutzen: Bianca Rivera, Bibliothekarin an der Ruth C. Kinney Elementary School in Islip Terrace, New York, und Philip Williams, Leiter der Bibliotheksdienste am UWCSEA East Campus in Singapore. Bianca arbeitet mit 5- bis 9-jährigen Schüler:innen, während sich Philip hauptsächlich mit 11 bis 18-jährigen Schüler:innen beschäftigt. Ihre Arbeit wurde in Bloomberg und MIT Technology Review vorgestellt, also wollten wir natürlich auch mehr von ihnen erfahren. Zum Anlass des International Day of Education der UNO nutzen wir die Gelegenheit, von diesen zukunftsorientierten Pädagog:innen zu lernen. Das haben sie uns erzählt:

Wie sind Sie zum ersten Mal auf Roblox gekommen?

Bianca: Obwohl ich jetzt eine Schulbibliothekarin bin, arbeitete ich von 2015 bis 2019 als Kinderbibliothekarin in einer öffentlichen Bibliothek. Viele Kinder kamen jeden Tag um circa 15:30 Uhr zu uns und blieben bis 18 Uhr, wenn sie zum Essen nach Hause mussten. Sie haben uns immer nach mehreren Computer-Pässen angefleht, damit sie weiter auf Roblox spielen konnten. Wir sollten eigentlich immer nur einen Pass für jeweils eine Stunde pro Kind aushändigen, aber sie waren immer so vom Spielen gebannt, dass ich oft nachgegeben habe und ihre Pässe für eine weitere Stunde oder so verlängert habe. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, was Roblox war, aber ich habe schnell erkannt, dass wir dieses Interesse ausnutzen sollten.

Philip: In meiner vorherigen Schule haben mich Stammbesucher:innen der Bibliothek in die Welt von Roblox eingeweiht und mir versichert, dass es sehr bildend ist. Sie zeigten mir, wie Roblox Studio funktioniert und seitdem gab es kein Zurück mehr.

Was hat Sie dazu gebracht, Roblox zu benutzen?

Bianca: Während meiner Zeit in der öffentlichen Bibliothek leitete ich mehrere Tech-Clubs. Als ich von Roblox Studio erfahren habe, gründete ich schnell einen Roblox Game Design-Club, dessen Mitglieder sich ein Jahr lang in unregelmäßigen Abständen trafen. Niemand von uns wusste so richtig, was wir taten, aber es hat uns großen Spaß gemacht, herumzuexperimentieren und ich glaube wirklich, dass es sich gelohnt hat. Ich muss sagen, dass es in der öffentlichen Bibliothek einfacher war, einen Roblox-Club zu veranstalten, als in der staatlichen Schule, aber ich arbeite daran, mehr Unterstützung dafür zu bekommen. Ich denke, dass jetzt mehr Verständnis dafür gezeigt wird, besonders aufgrund von Roblox Studio und dem Lehrplan zur digitalen Höflichkeit von Roblox.

Philip: In meiner vorherigen Schule in Thailand bauten Schüler:innen Rube-Goldberg-Maschinen in ihren Klassen. Als der Corona-Lockdown begann, kamen wir auf die Idee, uns mit der Roblox Physics Engine vertraut zu machen, indem wir eine Kettenreaktion simulierten. Damit hatte ich auch die Möglichkeit, einige der grundlegenden Modellierungsmöglichkeiten in Roblox auszuprobieren und einfache Scripts auszuführen, die für lustige Effekte sorgten.

Viele Lehrer:innen benutzen heutzutage Zoom oder andere Videochat-Software. Weshalb benutzen Sie lieber Roblox?

Bianca: Als ich in der öffentlichen Bibliothek arbeitete, konnte ich nur Roblox benutzen, weil ich nicht die nötigen Ressourcen hatte, andere Mehrspielerplattformen und -ressourcen zu verwalten. Jetzt, da ich an einer Schule arbeite, nutzen wir andere Spielplattformen. Ich persönlich finde, dass meine Schüler:innen lieber an ihren eigenen Erlebnissen in Roblox Studio basteln würden, deswegen möchte ich in Zukunft mehr Zeit dafür aufbringen.

Philip: Videospiele sind extrem motivierend und bringen auch viele Möglichkeiten zum Lernen mit sich. Roblox Studio ist kostenlos, sicher und eine offene Plattform, was ideal zum Lernen auf natürlichem Wege ist.

Könnten Sie uns Schritt für Schritt erklären, wie Sie ihre Schüler:innen unterrichten, wenn Sie Roblox in Ihre Arbeit integrieren?

Bianca: Ich zeige Roblox Studio auf dem Smartboard und gehe über eine der vorlagenbasierten Tutorials von Roblox, wie z.B. Island of Move. Ich versuche, die Standard-Unterrichtsstrategie „Ich mache, wir machen, du machst“ anzuwenden. Zuerst zeige ich ihnen, was zu tun ist und wie es geht (sie sehen dabei nur zu und machen sich Notizen). Als Nächstes versuchen wir es dann zusammen und zum Schluss arbeiten sie alleine am Tutorial. Ich versuche, niemals Arbeitsblätter zu verteilen (auch schon vor Corona-Zeiten war mein Klassenzimmer immer papierfrei!) und lasse sie bei meinen Online-Tutorials immer mitmachen.

Philip: Ich gebe sehr wenig direkten Unterricht für bestimmte Aspekte von Roblox Studio. Sie melden sich alle gleichzeitig an und fangen an zu arbeiten, und zwar mit sehr wenigen Vorgaben von meiner Seite aus. Ich strebe es an, eine lebendige praktisch-orientierte Community zu erschaffen, in der Schüler:innen an der Seite von neuen Spielentwickler:innen arbeiten, um Tipps und Ratschläge zu geben, während sie die Plattform gemeinsam erkunden. Ich springe ein, um sie zu unterstützen und konstruktive Interaktionen zu pflegen, um Fragen zu stellen, die ihr Denkvermögen erweitern, und um ihnen Mut zu machen, ihre Fähigkeiten immer weiter auf neue Art und Weise auszubauen und zusammen mit ihnen Spaß am Kreieren zu haben.

Wie haben die Schüler:innen reagiert?

Bianca: Sie sind immer sehr – ich sag mal – „amüsiert“, wenn sie herausfinden, dass ich ein Konto habe und die Spiele spielen kann. Ich würde auch sagen, dass sie ziemlich beeindruckt sind, wenn ich ihnen zeige, wie man Roblox Studio verwendet, da die meisten es noch nie ausprobiert haben.

Philip: Überwältigende Aufregung und Begeisterung. Ich wäre in eine andere Richtung gegangen, wenn sie nicht an der Entwicklung von Videospielen interessiert wären. Ich bin eigentlich nur ihren Interessen gefolgt und habe Wege gefunden, diese mit Lernmöglichkeiten zu verbinden.

Haben alle Schüler:innen denselben Zugang zu technischer Ausstattung?

Bianca: Ironischerweise haben gerade jetzt, durch den Corona-Shutdown, alle Schüler:innen gleichermaßen Zugriff auf ein Chromebook. Das ist schon toll, aber es ist auch schwierig, denn Roblox Studio ist nicht auf Chromebooks verfügbar. Ich kann mir vorstellen, dass die meisten Schulbezirke ihren Schüler:innen Chromebooks zur Verfügung gestellt haben. Durch diese Einschränkung kann ich Roblox Studio nur den Schüler:innen im Technologie-Club anbieten, da dieser im Computerlabor stattfindet.

Philip: Nicht vollkommen, nein. In der Schule fanden wir Wege, der größtmöglichen Anzahl von Schüler:innen die Möglichkeit zu bieten, sich mit Roblox Studio vertraut zu machen. Zugang zur nötigen Technologie zu Hause war jedoch sehr unterschiedlich. Ihre Schulerfahrung gewährte wirklich nur einen kleinen Einblick in das, was alles möglich ist. Nicht alle Schüler:innen hatten die Zeit oder die Möglichkeit, tiefer einzutauchen.

Haben Sie vor, die Plattform nach der Pandemie weiter zu benutzen?

Bianca: Ja, absolut, wir werden sie auf jeden Fall weiter benutzen. Ich hoffe, je länger ich an meiner Schule bin, desto mehr kann ich Kolleg:innen und Administrator:innen vom Nutzen der Verwendung von Roblox Studio überzeugen, besonders mit dem Schwerpunkt auf der CS for All-Bewegung (Informatik für alle).

Philip: Ich bin vor Kurzem von Bangkok nach Singapur gezogen und dort jetzt in einer neuen Schule. Ich spreche mit Schüler:innen, um herauszufinden, wie viel Erfahrung sie schon mit Videospielen haben und ob sie Interesse an und Erfahrung mit der Entwicklung von Videospielen haben. Ich bin noch nicht lange hier, aber ich sehe schon, dass es viele Gamer:innen und ein paar Spielentwickler:innen gibt, was nicht allzu überraschend ist. Ich denke, dass Roblox eine tolle Plattform für uns sein wird. Wir werden vielleicht auch andere Plattformen benutzen. Ich möchte auf jeden Fall die Interessen meiner Schüler:innen unterstützen und mehr über übergreifende Prinzipien und Konzepte der Videospielentwicklung erfahren.

Noch irgendwelche zusätzlichen Ratschläge für Pädagog:innen oder Feedback für Roblox?

Bianca: Ich bin gerade dabei, den wundervollen Lehrplan von Roblox zur digitalen Höflichkeit in Nearpod-Lektionen umzuwandeln, um sie mit meinen Schüler:innen zu verwenden. Nearpod und Pear Deck sind seit dem Shutdown extrem erfolgreich geworden und ich glaube, das liegt daran, dass Lehrer:innen verlässliche Wege benötigen, Schüler:innen in Slideshows einzubeziehen, die wahrlich interaktiv sind. Als die Kinder zu Hause waren, war es nicht genug, meinen Bildschirm zu teilen, damit die Kinder sich leise die Folien ansehen konnten. Mit Tools wie Nearpod können Schüler:innen mit dem Unterrichtsmaterial interagieren (und sogar Spaß haben!). Jetzt, da wir wieder ganztägig in der Schule sind, benutze ich weiterhin Nearpod als mein bevorzugtes Tool. Der Lehrplan von Roblox zur digitalen Höflichkeit passt da gut hinein – ich kann es kaum erwarten, es den Kindern zu zeigen!

Philip: Es mag zwar offensichtlich klingen, aber Videospiele nehmen einen sehr großen Teil unseres Lebens und das unserer Schüler:innen ein. Schulen ignorieren, unterbinden oder missbilligen die Videospielkultur oft reflexartig. Im besten Fall versuchen manche, den Unterriecht „spielerisch“ zu gestalten. Dadurch wird jedoch das riesige Potential ignoriert, die Videospielkultur mit dem Lernen in vielen verschiedenen Bereichen zu verbinden. Wenn man beachtet, woran unsere Schüler:innen interessiert sind, und ihnen zuhört, wenn sie ihre Spielerleben beschreiben, merkt man, dass sie hochentwickelte Sprache und kritisches Denken vorweisen. Durch die Vereinbarung dieser Interessen mit der Möglichkeit von Schüler:innen, die Rolle der Entwickler:innen in dieser Sphäre zu übernehmen, statt einfach nur die der Konsument:innen, werden die Lernmöglichkeiten direkt vor unserer Nase extrem erweitert. Die Möglichkeiten für uns als Pädagog:innen, unsere Schüler:innen zu unterstützen, die uns weit voraus sind, sind greifbar nah – wir müssen nur aufmerksam sein und Unterstützung anbieten.

 

*Kostenlose Ressourcen und von Roblox entwickelte Lehrpläne sind im Roblox Education Hub verfügbar: https://education.roblox.com/de-de/